Das Fußballstadion ist zurzeit im Museum in Gelsenkirchen-Buer eingelagert

Fotos: Many und Roland Szejstecki


Ruhrrevier als Faszination 

Fußballstadion, U-Bahn Station Trinenkamp, Kaskaden-Wasserwerk

Man kennt Many Szejstecki in Gelsenkirchen. Im Jahr 2024 legte die Stadt Gelsenkirchen sogar einen Ehrenstein für „ihren“ Many auf den Walk of Fame. Die Stadt wusste zu schätzen, dass außer Rudi Assauer und Stan Libuda (und einigen anderen Persönlichkeiten) auch ein ehemaliger Steiger in der Stadt seine Spuren hinterlassen hatte. 
Den Profifußball sah Many allerdings schon in den 70er Jahren eher kritisch. Sein Modell eines Fußballstadions wirkte wie ein stummer, ironisch provokativer Protest gegen die fortschreitende Kommerzialisierung im Sport. Abgeschreckt von den immer unseriöser werdenden Geldern, die den Fußball seit Beginn der 70er Jahren immer mehr prägten, konstruierte er sein Stadion demonstrativ mit den Zuschauerrängen weg vom Geschehen auf dem Rasen. Die Zuschauer blickten von den nach außen abfallenden Rängen nicht mehr auf das Spielfeld, sondern davon weg aus dem Stadion hinaus. Außerhalb des Stadions gab es in dem Modell allerdings keinen grünen Rasen mehr, sondern eine öde und triste (vielleicht auch zerstörte?) Umgebung. Wo das Geld fließt ist der Rasen grün, und ringsherum … ?
Dieses Modell lässt vielerlei Interpretationen zu. 

Eine öder, triste und zerstört wirkende Umgebung umgibt das Stadion mit dem satten grünen Rasen

Die Umwelt stets im Blick

Many Szejstecki hat in seinem ganzen Handeln und in seinen künstlerischen Aktivitäten auch stets die Umwelt im Blick gehabt. Er beendete seine Karriere als Steiger 1984 auf Westerholt. 1990 erschuf er für die Neue Zeche Westerholt ein Kaskaden-Wasserwerk aus typischen Materialien des Bergbaus. Eine Kaskade ist im Prinzip ein Wasserfall nach der Idee eines künstlich angelegten Stufenprinzips. Durch dieses Verfahren rieselt das Wasser über die Stufen und entfernt dabei überschüssiges Kohlendioxid. Eisen und Mangan oxidieren. Dadurch wird das Wasser aufbereitet und die Wasserqualität wird ohne Einsatz von Chemikalien verbessert.

Dieses Wasserwerk hat Many aus den Resten einer alten Anlage zur Kohlenwäsche gestaltet. Er wollte damit an die Bergleute erinnern, die im Übertagebetrieb die Kohlen aus den Kohlegruben gewaschen sowie aufbereitet und verladen haben.

Kaskaden-Wasserwerk an der Neue Zeche Westerholt, 1990

Bergbaupanorama in der U-Bahnstation

Schon 1994 huldigte die Stadt einem ihrer bedeutendsten Künstler. Many Szejstecki gestaltete in der U-Bahn Haltestelle Trinenkamp eine Wand mit seinem Bergbaupanorama mit dem Titel „Gelsenkirchen von unten“. Dabei handelte es sich um eine auf Emaille gedruckte Reproduktionen eines Bildes von Many. Da störte es auch nicht, dass es fast 30 Jahre gedauert hat, bis ein Schreibfehler in Manys Nachnamen korrigiert wurde.     

U-Bahn Station Trinenkamp in Gelsenkirchen Bismarck (Foto Steffen Hampe)